2017

16. Februar Scherrer et al., Auftreten von erworbenen Resistenzen von HIV gegenüber HIV-Medikamenten in der CH beinahe gänzlich gestoppt


Das Auftreten von erworbenen Resistenzen von HIV gegenüber HIV-Medikamenten hat in der Schweiz beinahe gänzlich gestoppt – eine Analyse von Daten aus der Schweizerischen HIV Kohortenstudie über den Zeitraum von 15 Jahren.    Clinical Infectious Diseases

Es ist bekannt, dass bei HIV-infizierten Personen der Einsatz von ungenügend wirksamen HIV-Medikamenten oder die unregelmässige Einnahme derselben zu einer Entwicklung von Resistenzen (=Widerstandsfähigkeit) des Virus gegenüber den HIV-Medikamenten führt. Die Resistenzen bewirken, dass sich das HI-Virus trotz Einnahme der HIV-Medikamente vermehren kann und die HIV-Infektion damit weiter voranschreitet.

Scherrer und Kollegen haben in ihrer Studie das Auftreten von Resistenzen gegenüber verschiedenen HIV-Medikamenten über einen Zeitraum von 15 Jahren (1999-2013) bei 11'084 HIV-therapierten Patienten aus der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie untersucht. Insgesamt wurde in diesem Zeitraum bei einem Drittel aller behandelten Patienten eine Resistenz gegenüber HIV-Medikamenten festgestellt. Dieser Anteil an Patienten mit Resistenzen war am höchsten bei denjenigen, welche die HIV-Therapie vor 1999 gestartet hatten (56% der Patienten), und ging stark zurück bei den Patienten, welche die Therapie zwischen 1999-2006 (19.7%) bzw. 2007-2013 (9.7%) begonnen hatten. Eine Resistenz auf die drei wichtigsten Medikamentenklassen zusammen ging im Beobachtungszeitraum von 9.0% auf 4.4% zurück und lag ab 2006 immer unter 0.4%. Die meisten Patienten mit Resistenzen hatten ihre HIV-Therapie vor 1999 begonnen (Anteil 59.8%), dennoch konnten bemerkenswerterweise im Jahre 2013 über 94% dieser Patienten aufgrund der Verfügbarkeit von modernen HIV-Medikamenten wirksam gegen HIV behandelt werden, das heisst eine unterdrückte HIV-Viruslast erreicht werden.

Zusammenfassend zeigt diese Studie eindrücklich, dass die Entwicklung von Resistenzen gegenüber HIV-Medikamenten aufgrund der Einführung von neuen und modernen HIV-Medikamenten dramatisch zurückgegangen ist. Dies ist insbesondere seit 2007 der Fall, als die modernen Protease- und neu die Integrasehemmer auf den Markt kamen. Eine erworbene Resistenz auf alle 3 Medikamentenklassen zusammen ist heutzutage praktisch inexistent.

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12. Januar Rodger et al., Risiko einer HIV-Übertragung bei ungeschütztem Sex zwischen Paaren mit unterschiedlichem HIV-Status


Risiko einer HIV-Übertragung bei ungeschütztem Sex zwischen Paaren mit unterschiedlichem HIV-Status und wirksamer antiretroviraler Behandlung des HIV-infizierten Partners.   Journal of the American Medical Association

Die Autoren Rodger und Kollegen haben im Rahmen der PARTNER Studie das Risiko einer Übertragung von HIV bei ungeschütztem analem und vaginalem Sex zwischen Paaren mit unterschiedlichem (sero-diskordantem) HIV-Status untersucht, bei denen der HIV-infizierte Partner unter einer wirksamen antiretroviralen Therapie (ART) stand, d.h. die HIV-Viruslast < 200 Kopien/ml Blut über sechs Monate betrug. Es wurden 1'166 Paare in die Studie eingeschlossen, von denen 548 Paare heterosexuell und 340 Paare homosexuell waren, und zu insgesamt 1'238 Beobachtungsjahren beitrugen. Im Studienzeitraum hatten die Partner insgesamt mindestens 58’000 Mal eindringenden Anal- oder Vaginalverkehr ohne Kondom.

Während einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 1.3 Jahren pro Paar wurden 11 der zuvor HIV-negativ getesteten Partner neu positiv auf HIV getestet. Ein Vergleich der Virussequenzen dieser neu-infizierten Personen mit denjenigen von ihren jeweiligen Partnern (phylogenetische Analyse) zeigte jedoch keine grosse Ähnlichkeit dieser Viren. Das heisst, es lagen keine Hinweise vor, dass sich diese Personen bei ihren unter ART stehenden HIV-positiven Partnern angesteckt hatten (Anmerkung der Redaktion: in diesen Fällen erklärte man sich die Ansteckung dadurch, dass sich die Person ausserhalb der Partnerschaft bei einer anderen HIV-positiven Person ohne ART angesteckt hatte). Insgesamt konnte somit bei ungeschützten Sexualkontakten zwischen sero-diskordanten Paaren keine einzige HIV-Übertragung nachgewiesen werden, sofern die Viruslast beim therapierten HIV-positiven Partner weniger als 200 Kopien/ml Plasma betrug. Interessanterweise war das Risiko einer HIV-Übertragung bei einer zusätzlichen Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit (z.B. Syphilis, Tripper, Chlamydien) nicht erhöht.

Zusammenfassend konnte während einer Beobachtungszeit von 1.3 Jahren pro Paar bei ungeschütztem Sex zwischen sero-diskordanten Paaren und wirksamer Behandlung des HIV-positiven Partners keine einzige HIV-Übertragung beobachtet werden. Weitere Studien mit einer längeren Beobachtungsdauer sind allerdings notwendig, um eine präzisere Abschätzung des Risikos ermitteln zu können.

Kommentar Dr. Dominique Braun und Prof. Huldrych Günthard
Die Autoren der Studie werten das Risiko einer HIV-Übertragung in der oben beschriebenen Situation als «annährend Null». Diese Einschätzung leitet sich daraus ab, dass bei 58'000 mal Geschlechtsverkehr keine HIV-Übertragung dokumentiert wurde. Da in einer Studie nie ausgeschlossen werden kann, dass das tatsächliche Risiko innerhalb des obersten Bereiches des ermittelten Vertrauensbereiches liegt, kann das Risiko nie als gänzlich Null angegeben werden. In dieser Studie lag der obere Vertrauensbereich bei den untersuchten Paaren der höchsten Risikogruppe – bei passivem Analverkehr– wegen der kleinen Datenmenge bei ca. 10% für eine Übertragung pro zehn Jahre. Obwohl diese Unsicherheit bei null nachgewiesenen Übertragungen eine theoretische Grösse ist, wird zurzeit die PARTNER 2 Studie durchgeführt, die das Übertragungsrisiko ausschliesslich bei Männern, die Sex mit Männern haben, untersucht.

Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, um den Teilnehmenden aus der Schweizerischen HIV Kohortenstudie, die an dieser wichtigen Studie teilgenommen haben bzw. immer noch teilnehmen, herzlich zu danken.

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