2018

13. Juni Strouvelle et al., Einfluss von Interferon-alpha auf das latente HIV-1 Reservoir


Einfluss von Interferon-alpha auf das latente HIV-1 Reservoir.    Journal of Infectious Diseases

Heutzutage lässt sich eine HIV-Infektion sehr gut behandeln, heilen hingegen kann man sie jedoch noch nicht. Schuld daran ist das sogenannte HIV-Reservoir im Körper. Gemeint sind damit jene Orte im Organismus, wo sich das Virus versteckt, obwohl der Patient beim Bluttest keine Erreger mehr aufweist.

Forscher aus der Schweizerischen HIV Kohortenstudie (SHCS) haben in der vorliegenden Studie untersucht, ob Interferon-alpha, welches jahrzehntelang zur Behandlung der Hepatitis C Infektion eingesetzt wurde, das latente HIV Reservoir zu verkleinern vermag. Das Resultat ihrer Studie war ernüchternd: unter der mehrmonatigen Behandlung mit Interferon-alpha machte das latente HIV Reservoir keinen Wank. Welche Entdeckung jedoch trotzdem Anlass zur Hoffnung macht, lesen sie weiter unten.

Die Forscher aus der SHCS haben in ihrer Studie bei 40 HIV/Hepatitis C koinfizierten Patienten das latente HIV Reservoir in Blutzellen des Immunsystems gemessen. Die Messung des latenten Reservoirs wurde dabei aus tiefgefrorenen Blutproben von SHCS Patienten im Labor durchgeführt, das heisst ausserhalb des menschlichen Körpers. Fast alle der untersuchten Blutproben stammten von Patienten ab, welche aufgrund einer Hepatitis C Infektion vorgängig mit Interferon-alpha und Ribavirin behandelt worden waren. Die meisten dieser Patienten hatten zudem im chronischen Stadium der HIV-Infektion ihre HIV-Therapie begonnen. Einige der Patienten hatten jedoch bereit sehr früh nach Ansteckung mit der HIV-Therapie gestartet. Die Forscher wollten nun herausfinden, welchen Einfluss eine Therapie mit Interferon-alpha auf das latente HIV Reservoir hat und ob der Zeitpunkt des Beginns der HIV-Therapie das latente HIV Reservoir zu senken vermag.

<p< Die gute Nachricht zuerst: bei Patienten, welche ihre HIV-Therapie sehr früh gestartet hatten, war das HIV Reservoir deutlich tiefer als bei den Patienten, welche die HIV-Therapie erst im chronischen Stadium begonnen hatten. Die schlechte Nachricht: die Hepatitis C Therapie mit Interferon-alpha hatte keinerlei Einfluss auf das latente Reservoir; insbesondere zeigte sich unter Interferon keine Verkleinerung des latenten HIV Reservoirs. Im Gegenteil: bei einigen Patienten füllte sich das latente Reservoir unter Interferon-alpha sogar auf.

Das Fazit der Studie aus der SHCS ist: eine HIV-Frühtherapie vermag das latente HIV Reservoir entscheidend zu senken. Dies könnte für Patienten, welche unter einer HIV-Frühtherapie stehen, in zukünftigen Heilungsstudien ein Vorteil sein. Denn in einer Erkenntnis sind sich alle Forscher einig: je tiefer das latente HIV Reservoir bei einem Patienten ist, desto grösser ist seine Chance, dass dereinst eine Heilungstherapie bei ihm funktionieren könnte. Allerdings hat die Studie aus der SHCS auch gezeigt, dass Interferon zur Attackierung und Senkung des latenten Reservoirs keinen Nutzen bringt. Vielmehr muss die Studie dahingehend interpretiert werden, dass der Einsatz von Interferon-alpha in zukünftigen HIV-Heilungsstudien nicht erfolgsversprechen ist und aufgrund der grossen Gefahr von Nebenwirkungen nur noch sehr zurückhaltend eingesetzt werden sollte.

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24. Mai Bartha et al., Einfluss der HIV-Erbfaktoren auf das Voranschreiten der HIV-Infektion


Einfluss der HIV-Erbfaktoren auf das Voranschreiten der HIV-Infektion.  
PLoS Computational Biology  

Die HIV-Infektion schreitet bei Personen, welche nicht unter einer HIV-Therapie stehen, unterschiedlich schnell voran. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass bei unbehandelten HIV-positiven Personen die Zeit bis AIDS auftritt zwischen 2 Jahren und 20 Jahren schwankt. Ein Marker, um die Schnelligkeit im Voranschreiten der HIV-Infektion abschätzen zu können, ist die HIV-Viruslast gemessen einen Monat nach Infektion. Diesen Marker nennt man setpoint viral load. Je höher der setpoint viral load, desto grösser das Risiko für das Voranschreiten der HIV-Infektion. Die Autoren dieser Studie haben untersucht, durch welche Faktoren der setpoint viral load beeinflusst wird. Das Ergebnis: die Erbfaktoren des Virus haben einen viel grösseren Einfluss auf die Höhe des setpoint viral load als die Erbfaktoren der infizierten Person.

Die Schätzung, in welchem Ausmass die Erbfaktoren von HIV die Höhe des setpoint viral load beeinflussen, schwankt in der Literatur zwischen 6 und 59%. Um diesbezüglich eine genauere Einschätzung machen zu können, haben die Autoren der vorliegenden Studie die Daten von über 2'000 HIV-positiven Personen aus fünf europäischen Ländern untersucht. Im Gegensatz zu früheren Studien, hatten sich die Teilnehmer frisch mit HIV angesteckt und befanden sich im Zeitfenster von 6 bis 24 Monaten nach der Ansteckung. Die Autoren haben den Einfluss der HIV-Erbfaktoren auf den setpoint viral load mit einem mathematischen Modell untersucht, bei dem die Gesamtheit der HIV-Erbfaktoren mittels einer speziellen Labortechnik analysiert wurde.

Die Autoren haben mit ihrem Modell berechnet, dass die Höhe des setpoint viral loads in ungefähr 30% durch die HIV-Erbfaktoren bestimmt wird und dabei einer Schwankung von 15 bis 43% unterliegt. Andere Faktoren, welche den setpoint beeinflussen, sind die Erbfaktoren der infizierten Person («Wirtsfaktoren»), Unterschiede in der Immunantwort der infizierten Person nach HIV-Infektion und mögliche mathematische Messungenauigkeiten.

Zusammenfassend zeigt diese europäische Kohortenstudie, dass rund 30% des setpoint viral loads durch die Erbfaktoren des HI-Virus bestimmt wird. Die Studie zeigt auch, dass es weitere Studien braucht, mit denen das Ausmass der Erbfaktoren auf den setpoint viral load untersucht wird, um Messungenauigkeiten zu berücksichtigen.

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16. Mai Kamal et al., Meinung von HIV-positiven Personen gegenüber ihren Co-Medikamenten


Meinung von HIV-positiven Personen gegenüber ihren Co-Medikamenten im Vergleich zu ihren HIV-Medikamenten.    HIV Medicine

Die meisten HIV-positiven Menschen nehmen ihre HIV-Medikamente sehr zuverlässig ein und zeigen somit eine gute Therapieadhärenz. Doch wie zuverlässig werden von den Betroffenen nicht-HIV Medikamente (sogenannte Co-Medikamente) wie Blutdrucktabetten, Diabetesmedikamente und Cholesterinsenker eingenommen? Um dieser Frage nachzugehen, haben Forscher aus der Schweizerischen HIV Kohortenstudie (SHCS) Patienten darüber befragt, wie wichtig sie ihre Co-Medikamente gegenüber ihren HIV-Medikamenten werten. Die Forscher fanden heraus, dass HIV-infizierte Personen ihre Co-Medikamente als weniger wichtig erachten und deshalb auch häufiger vergessen im Vergleich zu ihren HIV-Medikamenten. Was wir daraus lernen sollten, lesen Sie weiter unten.

Um herauszufinden, wie HIV-positive Personen die Wichtigkeit ihrer Co-Medikamente im Vergleich zu ihrer HIV-Therapie einschätzen und wie gut die Therapieadhärenz gegenüber den Co-Medikamenten ist, haben die Forscher speziell entwickelte Fragebögen von 109 Patienten aus der SHCS ausgewertet. Die meisten Teilnehmenden waren männlich und das Durchschnittsalter betrug 56 Jahre. Von den Teilnehmenden gaben 83% an, ihre HIV-Medikamente regelmässig einzunehmen und nur 71% gaben an, ihre Co-Medikation regelmässig einzunehmen. Dieser Unterschied war statistisch signifikant. Die Teilnehmer gaben zudem an, dass sie ihre HIV-Medikamente als wichtiger erachten und weniger Bedenken hätten bezüglich Nebenwirkungen im Vergleich zu ihren Co-Medikamenten. Überraschenderweise waren Personen mit einem tiefen Bildungsgrad eher davon überzeugt, dass die Einnahme ihrer Co-Medikamente wichtig sei im Vergleich zu Teilnehmern mit einem hohen Bildungsgrad. Zudem zeigte sich, dass Personen mit einer hohen T-Helferzellenanzahl ihre Co-Medikamente als wichtiger erachten im Vergleich zu Personen mit einer tiefen T-Helferzellenanzahl.

Zusammengefasst fand die Studie heraus, dass HIV-positive Personen ihre HIV-Medikamente als wichtiger erachten im Vergleich zu ihren Co-Medikamenten. Dies hatte auch eine direkte Auswirkung auf die Therapieadhärenz: die Teilnehmenden der Umfrage nahmen ihre HIV-Medikamente zuverlässiger ein als ihre Co-Medikamente. Die Studie zeigt auf, dass es wichtig ist, dass HIV-Ärzte mit ihren Patienten nicht nur die Therapieadhärenz gegenüber den HIV-Medikamenten besprechen, sondern ihre Patienten auch über deren Meinung und Ängste gegenüber den Co-Medikamenten befragen. Da HIV-positiven Personen ein höheres Risiko für Herzkreislauferkrankungen haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung, hat die zuverlässige Einnahme der Co-Medikamente wie Blutdrucktabletten oder Blutverdünner eine grosse Bedeutung zur Erhaltung der Gesundheit.

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11. April Borges et al., HIV-Medikamente und das Risiko für Knochenbrüche


HIV-Medikamente und das Risiko für Knochenbrüche in einer grossen HIV-Beobachtungsstudie.    Clinical Infectious Diseases

Es ist bekannt, dass gewisse HIV-Medikamente den Knochenstoffwechsel ungünstig beeinflussen können. Unbekannt ist, ob dies zu einem höheren Risiko für Knochenbrüche führen kann. Forscher aus verschiedenen europäischen HIV Kohortenstudien sind dieser Frage nachgegangen und haben die Faktoren untersucht, welche bei HIV-infizierten Personen zu Knochenbrüchen und einem Absterben des Knochens (sogenannte Knochennekrose) führen können. Die Studie hat gezeigt, dass von allen HIV-Medikamenten nur die Substanz Tenofovir Disoproxil Fumarat (TDF) das Risiko für Knochenbrüche erhöht. Welche Konsequenz sich daraus ergibt, lesen sie weiter unten.

Insgesamt wurden 11'820 Personen in die Studie eingeschlossen und über einen Zeitraum von insgesamt 86'118 Jahren nachbeobachtet. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer betrug 41 Jahre, zwei Drittel davon waren männlich, die CD4-Zellzahl betrug im Durschnitt 440 Zellen pro Mikroliter und 70% hatten eine unterdrückte HIV-Viruslast. Bei den Studienteilnehmern traten insgesamt 610 Knochenbrüche und 89 Osteonekrosen auf. Folgende Faktoren waren mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche vergesellschaftet: hohes Alter, Untergewicht, intravenöser Drogenkonsum, tiefe CD4-Zellzahl, Hepatitis C Koinfektion, stattgehabte Knochennekrosen und Knochenbrüche, Herzkreislauferkrankungen und kürzlich durchgemachte Krebserkrankungen.

Studienteilnehmer, welche unter einer antiretroviralen Therapie mit Tenofovir Disoproxil Fumarat (TDF) standen, hatten ein 50-Prozent höheres Risiko für Knochenbrüche im Vergleich zu Personen ohne TDF. Ebenso war das Risiko leicht erhöht, wenn eine Person in der Vergangenheit TDF verschrieben bekommen hatte. Für alle anderen HIV-Medikamente bestand kein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche oder Osteonekrosen.

Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass Veränderungen des Knochenstoffwechsels bei HIV-positiven Personen das Auftreten von Knochenbrüchen und Osteonekrosen begünstigen. Die Risikofaktoren für Knochenbrüche bei HIV-infizierten Personen sind vielfältig und beinhalten genetische Faktoren, HIV-bedingte Faktoren und andere Begleiterkrankungen. Da die Substanz TDF das Risiko für Knochenbrüche bei HIV-positiven Personen erhöht, sollte diese Substanz zur Behandlung der HIV-Infektion nur noch zurückhaltend eingesetzt werden. Stattdessen empfiehlt es sich, auf die Nachfolgesubstanz Tenofovir Alafenamid Fumarat (TAF) zu wechseln, da für TAF die Nebenwirkungen von TDF nicht bekannt sind. Konkret bedeutet dies, dass der Arzt bei Patienten, welche unter einer Therapie mit Truvada® stehen, eine Umstellung auf das Medikament Descovy® diskutieren sollte.

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14. März Elzi et al., Nebenwirkungen auf die Integrase-Hemmer Dolutegravir und Raltegravir


Nebenwirkungen auf die Integrase-Hemmer Dolutegravir und Raltegravir.    AIDS

Internationale Guidelines empfehlen heutzutage als Ersttherapie für HIV-infizierte Personen den Beginn eines Integrase-Hemmers. Zu den am häufigsten verschriebenen Integrase-Hemmern gehören die Substanzen Dolutegravir und Raltegravir aufgrund ihrer hohen Wirksamkeit und guten Verträglichkeit. In den letzten zwei Jahren wurden vermehrt Studien publiziert, welche von einer erhöhten Nebenwirkungsrate von Dolutegravir auf das Zentralnervensystem berichteten. Die Autoren der hier vorliegenden Studie haben nun in der Schweizerischen HIV Kohortenstudie (SHCS) untersucht, wie oft Nebenwirkungen und Therapieabbrüche auf Dolutegravir im Vergleich zu Raltegravir auftraten. Die Studie kam zu folgendem Schluss: insgesamt traten Nebenwirkungen auf Dolutegravir und Raltegravir nur sehr selten auf, allerdings war die Anzahl Nebenwirkungen welche das Zentralnervensystem betraf minim höher unter Dolutegravir im Vergleich zu Raltegravir.

In der Studie aus der SHCS wurden insgesamt 4'041 Patienten untersucht, darunter 2'901 Personen, welche unter einer HIV-Therapie mit Raltegravir standen und 1'950 Personen, welche eine HIV-Therapie mit Dolutegravir verschrieben erhalten hatten.

Die Rate an Therapieabbrüchen im ersten Jahr nach Beginn der Therapie betrug 15 pro 100 Patientenjahre. Anders ausgedrückt: wenn man 100 Patienten über ein Jahr beobachtete, wurde bei gut einem Sechstel der Patienten die HIV-Therapie umgestellt. Ein virologisches Versagen unter den beiden Integrase-Hemmern war sehr selten und trat nur bei zehn Patienten unter Raltegravir (0.5%) und bei zwei Patienten unter Dolutegravir (0.1%) auf.

Die häufigsten Gründe für eine Therapieumstellung innerhalb des ersten Jahres nach Beginn der HIV-Therapie mit einem Integrase-Hemmer waren der Wunsch des Patienten nach einer anderen Therapie, die Empfehlung des behandelnden Arztes und eine Therapievereinfachung. Nebenwirkungen auf beide Medikamente waren selten und traten in 4.3% der Patienten auf, welche mit Raltegravir behandelt wurden, und in 3.6% der Patienten, welche unter einer Therapie mit Dolutegravir standen. Eine Umstellung der Therapie aufgrund von Nebenwirkungen war bei Frauen signifikant häufiger als bei Männern.

Nebenwirkungen, welche das Zentralnervensystem betrafen, traten unter Dolutegravir doppelt so häufig auf im Vergleich zu Raltegravir. In absoluten Zahlen waren die Unterschiede in der Anzahl Nebenwirkungen zwischen den beiden Medikamenten aber gering und betraf lediglich 33 Patienten unter Dolutegravir (1.7%) und 13 Patienten unter Raltegravir (0.6%). Das Risiko für eine Therapieumstellung aufgrund von Nebenwirkungen auf das Zentralnervensystem war unter Dolutegravir doppelt so häufig im Vergleich zu Raltegravir.

Zusammenfassend zeigte sich bei über 4'000 Personen in der SHCS eine sehr hohe Wirksamkeit der beiden Integrase-Hemmern Dolutegravir und Raltegravir. Nebenwirkungen auf das Zentralnervensystem traten unter Dolutegravir zwar häufiger auf als unter Raltegravir, insgesamt war die Nebenwirkungsrate aber sehr niedrig. Es ist dennoch wichtig, dass Patienten, welche unter einer Therapie mit einem Integrase-Hemmer stehen, über die Möglichkeit von Nebenwirkungen auf das Zentralnervensystem aufgeklärt werden und vom behandelnden Arzt auch spezifisch nach diesen gefragt werden. Im Falle, dass unter Dolutegravir Nebenwirkungen auf das Zentralnervensystem auftreten, ist die Umstellung auf einen anderen Integrase-Hemmer eine valable Option.

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22. Januar Béguelin et al., Zunahme der Behandlungen und der Heilungsraten von Hepatitis C in der SHCS zwischen 2011 - 2015


Zunahme der Behandlungen und der Heilungsraten von Hepatitis C Infektionen bei Teilnehmern der Schweizerischen HIV Kohortenstudie zwischen 2011 und 2015. Liver International

Seit Ende November 2011 sind in der Schweiz hochwirksame und gut verträgliche Medikamente zur Behandlung der Hepatitis C (HCV) Infektion verfügbar. Die Autoren haben in der vorliegenden Studie in der Schweizerischen HIV Kohortenstudie nun untersucht, wie sich die Behandlungsrate seit der Marktzulassung der neuen Medikamente in der Schweiz entwickelt hat und wie der Behandlungserfolg darunter war. Das erfreuliche Hauptresultat der Studie war: über die letzten Jahre hat sich die Anzahl der behandelten PatientInnen verfünffacht und mit der neusten Klasse der DAAs konnten 96% der behandelten PatientInnen geheilt werden.

Bis Mitte 2011 bestand die Behandlung der HCV-Infektion aus einer Kombination von pegyliertem Interferon und Ribavirin und war mit vielen Nebenwirkungen und tiefem Behandlungserfolg verbunden. Ab Ende 2011 kamen die ersten neuen hochwirksamen Hepatitis C Medikamente auf den Markt (sogenannte direct acting agents; DAAs), welche zu einem deutlich höheren Heilungsraten führten und nebenwirkungsärmer waren. Ab Mitte 2014 waren schliesslich die Zweitgenerations-DAAs verfügbar, welche kaum mehr Nebenwirkungen hatten und mit denen selbst mit einer kurzen Behandlungszeit von drei Monaten praktisch alle PatientInnen geheilt werden konnten.

Die Autoren der vorliegenden Studie haben drei Zeitperioden analysiert:
01/2009-08/2011 vor Verfügbarkeit der Erstgenerations-DAAs (Periode 1),
09/2011-03/2014 nach deren Einführung (Periode 2), und
04/2014-12/2015 nach Verfügbarkeit der Zweitgenerations-DAAs(Periode 3).

Die Autoren fanden dabei heraus, dass die Behandlungsraten der HCV-Infektionen über die drei Zeitperioden stetig zunahmen und sich in dieser Zeit verfünffacht haben. Gleichzeitig nahm auch die Heilungsrate unter Behandlung massiv zu und verdoppelte sich von 54% während der Periode 1 auf 96% während der Periode 3.

Zu Beginn der Periode 3 hatten 876 PatientInnen aus der Schweizerischen HIV Kohortenstudie eine HCV Infektion, von denen 20% eine Behandlung mit einem der hochwirksamen Zweitgenerations-DAA begannen. Obwohl drei Viertel dieser PatientInnen eine fortgeschrittene Leberfibrose hatten, konnten 96% geheilt werden und nur bei vier PatientInnen konnte das Hepatitis C Virus unter Therapie nicht ausgeheilt werden.

Zusammenfassend zeigte sich in der Schweiz nach Zulassung der neuen DAAs eine starke Zunahme der Behandlungsraten von HCV-infizierten Personen. Mit den neusten Medikamentenklassen konnten fast alle Patienten, welche eine Behandlung begannen, auch geheilt werden. Diese Resultate zeigen auch, dass die HIV/HCV koinfizierten Menschen ebenso gut auf die DAAs ansprechen wie HCV monoinfizierte. Da zu Beginn die neuen DAAs wegen der sehr hohen Preise nur bei PatientInnen mit einem fortgeschrittenen Leberschaden von den Krankenkassen übernommen wurden, konzentrierte sich die Behandlung in erster Linie auf Patienten mit einem bereits bestehenden Leberschaden. Seit dem 1. Oktober 2017 können nun in der Schweiz alle PatintInnen mit einer HCV-Infektion mit den neusten DAAs behandelt werden, unabhängig vom Ausmass ihres Leberschadens oder anderen Begleitfaktoren. Damit ist eine wichtige Hürde gefallen und eine Hepatitis C Elimination in der Schweiz denkbar geworden.

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